
Malerei einer Dekade von 2016- 2026
Das Gefühl findet, der Scharfsinn wägt die Gründe. JEAN PAUL
Die Ausstellung Spuren des Daseins präsentiert zum ersten Mal den jungen syrischen Künstler und Maler Tamim Sibai im Haus der syrischen Kunst in Bremen. Sie zeigt eine Auswahl seiner Gemälde aus den Jahren 2016 bis 2026, die sich in Porträts, Gesten und Ausdrucksformen mit dem Menschsein auseinandersetzen. Jedes Werk hält einen Moment menschlicher Präsenz fest, der sich im Gesicht offenbart – ein Gefühl, einen flüchtigen Augenblick oder eine innere Welt. Gemeinsam bilden die Arbeiten eine visuelle Reflexion über Identität, Verletzlichkeit und die Spuren, die wir hinterlassen.
Die Ausstellung lädt dazu ein, über ein Jahrzehnt hinweg Tamim Sibais künstlerische Auseinandersetzung zu verfolgen und dabei den vielschichtigen Dimensionen des Menschseins zu begegnen und hinter ihre äußere Erscheinung zu blicken. Transformiert in pure Malerei.
Sibais pastos expressiv gemalte Gesichter können wir wie Landkarten des menschlichen Seins lesen, die im Akt des Malens die menschliche Psyche und gleichsam die conditio humana erforschen. Der Künstler greift mit dem Menschenbild ein zentrales Thema der syrischen Malerei auf, wandelnd zwischen Figuration und Abstraktion. Zugleich zeigt sich in seinem Werk eine künstlerische Verwandtschaft zu dem syrisch-deutschen Maler Marwan Kassab-Bachi, dessen Porträts oft als „Gesichtslandschaften“ oder innere Topografien beschrieben werden.
Mit ihm verbindet sich eine „Bilderwelt, die in aller malerischen Vielfalt im Thematischen (…) fast ausschließlich um das menschliche Antlitz, den ‚Kopf‘, in nicht endenden Variationen und mit überraschenden Bildfunden kreist. (…) Denn die Farbe vermag alle Sinne zu berühren, weckt Erinnerungen an vergangene Zeit, ist von sanften Klängen, betörenden Düften und flüchtigen Assoziationen durchwoben.“ (Jörn Merkert: „Marwan – Frühe Bilder“, Berlin 1989.)
Auch wenn sich diese Gedanken auf Marwans Werk beziehen, treffen sie ebenso auf die Werke des jungen Tamim Sibai zu, der mit großer Energie und farbiger Experimentierfreude einen eigenständigen Weg in die Malerei angetreten hat. Dabei entstehen neben Gemälden auch Zeichnungen und Aquarelle: Selbstporträts, Menschenbilder und freie Kompositionen, die die Motive in magische, traumhafte Verbindungen bringen.
Tamim Sibai wurde 1991 in Damaskus geboren, studierte an der Fakultät der Bildenden Künste in Damaskus (von 2010-2014) und legte dort seinen Bachelor of Arts in Malerei ab. Seit 2016 lebt und arbeitet Sibai in Berlin, wo er 2018 als Meisterschüler von Prof. Burkhard Held, an der UdK Berlin mit einem Master of Arts abschloss. Seine Arbeiten stellt Sibai international in Kulturinstituten und Galerien aus, u.a. in Damaskus, SY, Khartoum, SD; Beirut, LB; Dubai, UAE; Växjö, SE; Spanien und Deutschland.