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gerlach en koop. Was machen Sie um zwei? Ich schlafe.

28. Juli 2020 by GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst

In einer Ausstellung am Rande des Schlafes zeigen gerlach en koop Werke anderer Künstler*innen.

Ismaïl Bahri, Kasper Bosmans, Daniel Gustav Cramer, Mark Geffriaud, Voebe de Gruyter, Ian Kiaer, Kitty Kraus, Gabriel Kuri, Rita McBride, Guy Mees, Jacqueline Mesmaeker, Helen Mirra, Laurent Montaron, Melvin Moti, Jean-Luc Moulène, Henrik Olesen, Annaïk Lou Pitteloud, Emilio Prini, Bojan Šarčević, Shimabuku, Steve Van den Bosch und ein Beitrag von Schriftsteller Haytham El-Wardany

Bei hellem Tageslicht unterscheiden sich die Objekte mühelos von dir: die Kopfhörer auf dem Sofa, ihre Schnur elegant auf dem Boden geschwungen; die Schere auf dem Schreibtisch, ungeschlossen, in der Form eines X; der Stuhl, der nicht rangerückt wurde; die mit Blu Tack an die Wand geheftete Schwarzweißpostkarte; das Wasserglas ohne Wasser auf dem kleinen mobiltechnica torino Metalltisch am Bett; die Schuhe Seite an Seite neben dem Tischbein. Nachts jedoch, wenn du schläfst, werden die Grenzen fließend. Aus Abgrenzung wird gegenseitige Sympathie. Die Objekte nähern sich uns. Wir nähern uns den Objekten. Nein, unsere Körper nähern sich den Objekten.

Was machen Sie um zwei?
Ich schlafe.
Um drei?
Schlafen.
Um vier?
Schlafen.
Um fünf?
Schlafen.
Um sechs?
Schlafen.
Um sieben?
Schlafen.
Um acht?
Schlafen.
Um neun?
Da wache ich auf.

Alberto Moravia lud Claudia Cardinale im Mai 1961 zu einem Interview ein. Zu ihrer Überraschung schlägt Moravia vor, sie als Gegenstand im Raum zu befragen. Das Interview gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil versucht Moravia zu dokumentieren, wie Cardinale im Raum erscheint, im zweiten Teil, wie sie im Schlaf verschwindet.

Kuratiert von Regina Barunke

 

 

gerlach en koop. Was machen Sie um zwei? Ich schlafe., Ausstellungsansicht gerlach en koop. Was machen Sie um zwei? Ich schlafe., Ausstellungsansicht, GAK Bremen, 2020. Foto: Johannes Schwartz

gerlach en koop. Was machen Sie um zwei? Ich schlafe., Ausstellungsansicht (falling asleep), GAK Bremen, 2020. Foto: Johannes Schwartz

gerlach en koop. Was machen Sie um zwei? Ich schlafe., Ausstellungsansicht (falling asleep), GAK Bremen, 2020. Foto: Johannes Schwartz

gerlach en koop. Was machen Sie um zwei? Ich schlafe., Ausstellungsansicht (falling asleep), GAK Bremen, 2020. Foto: Johannes Schwartz

gerlach en koop. Was machen Sie um zwei? Ich schlafe., Ausstellungsansicht (falling asleep), GAK Bremen, 2020. Foto: Johannes Schwartz

gerlach en koop. Was machen Sie um zwei? Ich schlafe., Ausstellungsansicht (falling asleep), GAK Bremen, 2020. Foto: Johannes Schwartz

gerlach en koop. Was machen Sie um zwei? Ich schlafe., Ausstellungsansicht, GAK Bremen, 2020. Foto: Johannes Schwartz

gerlach en koop. Was machen Sie um zwei? Ich schlafe., Ausstellungsansicht (waking up), GAK Bremen, 2020. Foto: Johannes Schwartz

gerlach en koop. Was machen Sie um zwei? Ich schlafe., Ausstellungsansicht (waking up), GAK Bremen, 2020. Foto: Johannes Schwartz

gerlach en koop. Was machen Sie um zwei? Ich schlafe., Ausstellungsansicht (waking up), GAK Bremen, 2020. Foto: Johannes Schwartz

Kategorie: Ausstellung Stichworte: Ausstellung, Bremen, Bremen Ausstellung, GAK Bremen, Kunst, Kunstverein, Zeitgenössische Kunst

GAK Projekte: Bradley Davies. tidal

30. Juni 2020 by GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst

Ein feuchter Keller. Die Wände sind mit Flecken und Verfärbungen überzogen. Sie drängen vom Boden hoch und verdichten sich in den Raumecken zu dunklen und unansehnlichen Akkumulationen. Das einzige kleine Fenster im Raum lenkt den Blick auf die Weser, die unmittelbar an der Außenmauer der GAK entlangfließt und sich mit den Gezeiten hebt und senkt. Die Vermutung liegt nahe, dass aufgrund einer längeren Durchfeuchtung des Mauerwerks Wasser in den Raum eingedrungen sei. Nur zwei Dinge irritieren: An den Wänden finden sich Feuchtigkeitsspuren, doch fehlt der Geruch und das klamme Gefühl von Nässe. Und trotz verschlossenem Fenster ist das Geräusch von Wasser zu hören.

Bradley Davies setzt sich in seiner Arbeit „tidal“ mit dem Projektraums im Untergeschoss der GAK und seiner Nähe zum Wasser sowie dem Element Wasser an sich auseinander. Dabei verwickelt er den*die Betracher*in in eine Sinnestäuschung. Denn weder ist der Keller feucht, noch besteht unmittelbar Gefahr, dass Wasser eindringt und den Raum flutet. Stattdessen überzieht Davies die Wände in Trompe-l’œil mit feinen Kreide- und Kohlezeichnungen und bildet die typischen Erscheinungsformen eines Wasserschadens nach. Dass er für die Wandmalerei Kreide und Kohle verwendet, hängt auch damit zusammen, dass beide Stoffe Feuchtigkeit absorbieren: Kohle ist ideal zum Trockenhalten feuchter Räume, Kreide bindet Schweiß. Auf diese Weise hält nur der feine Wandüberzug aus Kreide und Kohle die Poren des Raumes geschlossen.

Inmitten der Wandmalereien sind Geräusche von Wasser zu hören, und es offenbart sich die Komplexität und Fremdartigkeit einer sichtbaren und unsichtbaren Welt. Sie zeigen, dass Wasser von Natur aus vielgestaltig und dazu prädisponiert ist, sich materiell zu verändern. Die Tendenz der Formverschiebung mag nicht nur den*die Betrachter*in beunruhigen, sondern auch manche Protokolle, die für die wissenschaftliche Erforschung und geopolitische Organisation des Wassers verwendet werden. Mit Kontaktmikrophon und hochsensiblem Unterwassermikrophon (Hydrophone) nimmt Davies in der Tradition des Field Recording singuläre Klänge auf und fügt sie als Soundcollage wieder zusammen. Die Aufnahmen entstanden in und im Umkreis von Bremen, sowie in Köln und Tanger. „Doing the sound recordings is a way for me to do similar to what the stain, damp or mould would do, to bring the outside inside. Also, I have been mostly recording places I and others perhaps wouldn’t normally get to see, or even using hydrophones and contact microphones to tap into worlds that are partially invisible to us.“, so der Künstler. Mit dem Wissen um jene Orte, die Davies in der Ausstellung und im Onlinearchiv von radio aporee preisgibt, entstehen beim Zuhören des Wassers neue, innere Bilder, die sich mit den sichtbaren Spuren an den Wänden verbinden und vergangene und zukünftige Geschichten erzählen.

Bradley Davies (geboren 1990 in London) studierte Bildende Kunst in Brighton und Glasgow (BA) und schloss 2017 sein Studium an der Städelschule in Frankfurt am Main ab (Meisterschüler Michael Krebber). Ausstellungen u.a. Neue Alte Brücke, Frankfurt, Ralph’s, Temporary Gallery, beide Köln, Neuer Essener Kunstverein, Lenbachhaus München, Transmission Gallery, Glasgow. Er lebt und arbeitet in Köln.

Kuratiert von Regina Barunke

GAK-Projekte ist eine Ausstellungsreihe anlässlich des 40-jährigen Bestehens der GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst.

Bradley Davies: tidal, 2020. Foto: Franziska von den Driesch

Bradley Davies: tidal, 2020. Foto: Franziska von den Driesch

Bradley Davies: tidal, 2020. Foto: Franziska von den Driesch

Bradley Davies: tidal, 2020. Foto: Franziska von den Driesch

Bradley Davies: tidal, 2020. Foto: Franziska von den Driesch

Kategorie: Ausstellung Stichworte: Ausstellung, Museen

GAK Projekte: Christine Moldrickx. Ein Kopf

26. Februar 2020 by GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst

Eine Toilettenkabine, in die man sich allein oder gemeinsam zwängt. Das ist Stoff zahlreicher Literaten, aber sie animierte auch Künstler wie Duchamp oder Robert Gober, mit Alltagsgegenständen wie einem Urinal oder Waschbecken in den Galerieraum zu gehen und den Betrachter mit seinem Intimbereich zu konfrontieren. Auch Christine Moldrickx reagiert mit ihren Keramikobjekten auf Utensilien aus öffentlichen Toiletten. Im Untergeschoss der GAK, dort wo sich in öffentlichen Gebäuden gewöhnlich die WCs befinden, bringt die Künstlerin Waschbecken und Spiegel aus gebranntem und glasiertem Ton an die Wände. Einige Spiegel glänzen metallisch und verzerren, ohne dass sich darin ein Gesicht wiederspiegeln könnte, andere wiederum sind wie vom Dunst beschlagen matt-weiß glasiert, umrandet mit Linien von farbigen Markern, verwischte Spuren, wie von Taggs und Graffiti. Über den Waschbecken befindet sich kein Wasserhahn, darunter kein Abflussrohr, in dem das Abwasser in die Kanalisation oder sträflicher Weise in die Weser herabrinnen könnte. Stattdessen klafft in der Mulde am Beckenboden ein großes brachial „hereingebombtes“ Loch. Vor dem Brennvorgang durchstieß Moldrickx mit ihrem Kopf die weiche Tonmasse. Der Kopf (lat. caput), Titel dieser Ausstellung, wird zum Agens des Aufbrechens, Zerstörens, des Kaputtmachens. Das ganze System ist kaputt, und es ist nur noch die Frage von, von –, (…)

Christine Moldrickx (geboren 1984 in Münster) studierte an den Kunstakademien in Düsseldorf und Frankfurt und schloss 2016 ihr Postgraduierten-Studium an der Rijksakademie van beeldene kunsten in Amsterdam ab. Sie lebt und arbeitet in Düsseldorf und Amsterdam.

Christine Moldrickx: Sink with mirror, 2017. Courtesy die Künstlerin und Martin van Zomeren, Amsterdam. Foto: Anne Storm

Christine Moldrickx: Sink with mirror, 2017. Courtesy die Künstlerin und Martin van Zomeren, Amsterdam. Foto: Anne Storm

Christine Moldrickx: Sink with mirror, 2017. Courtesy die Künstlerin und Martin van Zomeren, Amsterdam. Foto: Anne Storm

Christine Moldrickx: Mirror, 2018. Courtesy die Künstlerin und Martin van Zomeren, Amsterdam. Foto: Anne Storm

Christine Moldrickx: Mirror, 2018. Courtesy die Künstlerin und Martin van Zomeren, Amsterdam. Foto: Anne Storm

Kategorie: Ausstellung

GAK Projekte: Esther Adam

15. Januar 2020 by GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst

Eröffnung: Freitag, 31. Januar 2020, 19 Uhr

Für ihre ortsspezifische Arbeit „Perspectives“ (2020) zeichnet Esther Adam mit transparenter Fensterfarbe sprachliche und zeichnerische Analysen auf die breite Glasfront des Projektraums der GAK. Diese kaum sichtbare, subtile künstlerische Arbeit ist eine Botschaft, die ausschließlich für aufmerksame Betrachtende gedacht ist. Denn zu sehen ist zunächst nur ein physisch leerer Ausstellungsraum. Um zu erkennen, dass dieser gleichzeitig voll von Gedankenfragmenten ist, gilt es, sich vor der Glasfläche und so auch dem Kunstwerk selbst immer wieder neu zu positionieren, Perspektiven zu ändern – sonst verschwindet das Gesehene bzw. wird zu einer unleserlichen Spur. Dieses dynamische Verhältnis, das die Bewegung und das räumliche Engagement der Betrachtenden umfasst, findet seine Parallele in dem Dargestellten. In Schrift und Bild geht Esther Adam der Beziehung des einzelnen Menschen gegenüber seiner Welt bzw. Umwelt nach. Wiederholt finden sich zwischen den Begriffen des „Ich“ und „Wir“, zwischen persönlichen Gedanken und universellen Themen, Kreise, Pfeile und andere diagrammatische Zeichen, die ein Anhängigkeitsverhältnis andeuten: die Beziehung des Individuums mit seinen Ängsten, seiner Verwundbarkeit, seiner Existenz gegenüber den Einflüssen von kollektiven Prozessen und gesellschaftlichen Situationen, von medialen und kulturellen Phänomenen sowie gegenüber den ihnen eigenen Codes und Machtsystemen.

Esther Adam wurde 1988 in Reutlingen geboren. Seit 2014 studiert sie an der HfK Hochschule für Bildende Künste in Bremen (Meisterschülerin von Natascha Sadr Haghighian).

Kuratorin: Regina Barunke

Die GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst wurde 1980 gegründet. Anlässlich ihres diesjährigen 40-jährigen Bestehens als Kunstverein in Bremen sind zahlreiche Veranstaltungen und Projekte geplant, die sich ihrer Ausstellungs- und Institutionsgeschichte widmen. Für das Jubiläumsjahr erhält die Gesellschaft für Aktuelle Kunst mit „GAK Projekte“ einen temporären Projektraum. Gleich unterhalb von ihrem jetzigen Eingang findet sich ein kleiner Raum, in dem sich junge künstlerische Positionen und Projekte präsentieren werden. Den Auftakt macht die Bremer Künstlerin Esther Adam.

Kategorie: Ausstellung

Kristina Buch: You can’t walk unless the word runs.

14. Januar 2020 by GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst

Eröffnung: Freitag, 31. Januar 2020, 19 Uhr

Wir freuen wir uns, die erste umfassende Einzelausstellung der deutschen Künstlerin Kristina Buch (geb. 1983 in Meerbusch) zu zeigen.

In der Ausstellung „You can’t walk unless the word runs.“, die bis auf eine Mehrkanal-Videoprojektion (entstanden 2015 für die Istanbul Biennale) ausschließlich aus neuen Werken besteht, beschäftigt sich die Künstlerin mit den Bedeutungsmustern von Sprache. Dem zugrunde liegt eine umfassende inhaltliche Recherche, die dem Phänomen des Sprechens und Unaussprechbaren und dem Entstehen, den Kontinuitäten und Fragmentierungen von Sprache und der ihr innewohnenden Macht nachgeht. Hat Buch in früheren Arbeiten Sprache wortwörtlich seziert und sie teilweise in andere Kontexte überführt, so ließ sie für die Ausstellung in der GAK Fahnen weben, auf denen stilisierte Zungen-Motive abgebildet sind. Daneben zeigen Video-Loops Großaufnahmen von menschlichen Mündern, die sich zu unverständlichen, glossalischen Lauten öffnen und schließen. Die Frage, „mit verschiedenen Zungen zu sprechen“, stellt sich dabei zu einer Zeit, in der Sprache zu einem immer mächtigeren und tendenziös politischen Instrument wird.

Buch wurde 2012 durch ihren Beitrag zur dOCUMENTA (13), einem Schmetterlingsgarten, bekannt. Carolyn Christov-Bakargiev lud die damals 29-Jährige als bis dato jüngste Künstlerin nach Kassel ein. Buch studierte Biologie und Theologie bevor sie ans Royal College of Art in London und zu Rosemarie Trockel an die Kunstakademie Düsseldorf wechselte. Seitdem hat sie vielfach international ausgestellt. Mit Installationen, Video, Text, Objekten und „life gestures“, wie sie ihre performativen Arbeiten nennt, erprobt sie Rituale, die Menschen, Dingen, Materialien und Lebewesen in immer wieder unerwartete Dialoge setzt.

Kuratiert von Regina Barunke.

 

Kristina Buch: Du kannst nicht gehen, solange das Wort nicht läuft., 2019. Foto: Simon Vogel, Köln

(l-r) Kristina Buch: Die Anzahlung. Hast du das vergessen? Hast du sie verloren? (keine Rechnungen), 2020; Du kannst nicht gehen, solange das Wort nicht läuft., 2019. Foto: Simon Vogel, Köln

(l-r) Kristina Buch: Notwendiges und ausreichendes Stoma. (Krabben über die Staatsbürgerschaft. Diese Grenze verläuft parallel, nicht lotrecht zu unserer Bewegungsrichtung.), 2019; Von ihren Feinden gejagt, versuchten sie, keinen Becher Wasser zu verschütten. (Eschatologie einer Wassermelone), 2019; Die Anzahlung. Hast du das vergessen? Hast du sie verloren? (keine Rechnungen), 2020. Foto: Simon Vogel, Köln

(l-r) Kristina Buch: Wie würdest du mit der Schwerkraft diskutieren? (Kein Platz frei! Kein Rivale! Du hast noch nie ein Dreieck in deinem Leben gesehen!), 2012–2017; Bailout (Begriffserklärung) – ein Tisch für meine Freunde und Feinde, 2015. Foto: Simon Vogel, Köln

Kristina Buch: Die Anzahlung. Hast du das vergessen? Hast du sie verloren? (keine Rechnungen), 2020. Foto: Simon Vogel, Köln

Kristina Buch: Die Anzahlung. Hast du das vergessen? Hast du sie verloren? (keine Rechnungen), 2020. Foto: Simon Vogel, Köln

Kristina Buch: Zeichen-/Charakter-/Wesen-/Ruf-Mord (Scheitern garantiert); l-r: Tot? Gestern gesehen. Hat sich aus deinem engen Wohnzimmer geschlichen, schätze ich.; Wurzelbehandlung (wir sind unsere eigenen Taschendiebe), 2020. Foto: Simon Vogel, Köln

Kategorie: Ausstellung

Marie Cool Fabio Balducci: Can Carry No Weight

11. Oktober 2019 by GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst

Seit 1995 arbeiten Marie Cool und Fabio Balducci als Künstlerduo zusammen. Bekannt geworden sind sie durch Aktionen, in denen sie mit einfachen Gesten auf die physikalischen Eigenschaften von Materialien reagieren. Die Materialien sind gewöhnliche Gebrauchswaren aus der Büro- und Arbeitswelt: So richteten Cool Balducci in vergangenen Aktionen die Position eines DinA4 Papiers nach dem Einfallswinkel von Sonnenlicht aus oder sie strichen mit Fingern über ein gespanntes Klebeband und erzeugten dabei das leise Summen eines Insekts. Ihre Ausführungen sind konzentriert und geradezu zwanghaft entschleunigt. Durch das Einfügen eines poetischen Moments brechen sie mit den funktionalen Zuschreibungen des jeweiligen Objekts: Außenwelt und Natur finden Eingang in den geschlossenen Raum der Ökonomie und Produktivität.

„Can Carry No Weight“ beschreibt die Grenze einer Belastbarkeit. Ob es die eines Menschen oder Objekts ist, bleibt uneindeutig. Fest steht, dass eine maximale Tragkraft erreicht ist und das jeweilige System nicht mehr zulässt oder zulassen will. In der Ausstellung zu sehen sind in einer Art künstlicher Laborsituation verteilte Objekte, deren Funktion einst war, Gewichten Stand zu halten: metallische Bodenfliesen, demontierte Bürotische oder eine Serie getönter Autoscheiben von SUVs. Herausgelöst aus ihren jeweiligen Produktionsketten sind die Objekte dysfunktional und residual, abwartend und statisch. In diesem Szenario einer stillgelegten Welt führen Marie Cool Fabio Balducci mithilfe der Objekte neue Aktionen auf, die sowohl live als auch während der Ausstellungsdauer auf Flatscreens zu sehen sind.

„Can Carry No Weight“ liest sich als Ermüdungserscheinung, als ein Scheitern, eine Verweigerungshaltung oder eben auch als Warnung an ein System, das aufgrund seines maximalen Verbrauchs an Ressourcen am Rande der Kräfte ist: Hier, zwischen Abstraktion und Unproduktivität, zwischen Widerstand und der Vortäuschung eines Nichtstuns harren laut Marie Cool Fabio Balducci die Objekte, Handlungen und Settings in der zwielichtigen Dunkelheit ihrer Zuordnung, Ziele, Funktionen und Normungen.

Marie Cool wurde 1961 im französischen Valenciennes, Fabio Balducci 1964 im italienischen Ostra (Ancona) geboren. Sie leben und arbeiten in Paris und Pergola (Marken, Italien). Es ist die erste Einzelausstellung des Künstlerpaars in Deutschland.

Kuratorin: Regina Barunke

Kategorie: Ausstellung

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