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Ian Waelder: Zungen

21. Januar 2026 by GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst

Die Ausstellung Zungen von Ian Waelder ist die dritte in der Ausstellungsreihe for fear of continuity problems, die sich in einem Teilbereich der GAK sowie den Posterrahmen im Außenraum mit Erinnerung und Gedächtnis auseinandersetzt.

Ein Kind steht über die Jahre hinweg immer wieder vor dem heimischen Bücherregal – so begann ein Gespräch, das Waelders Ausstellung vorausging. Noch sehr klein hatte es nur zu den unteren Büchern Zugang. Je größer das Kind wurde, desto mehr Regale und desto verschiedenere Bücher konnte es erreichen. Vor einem Bücherregal reckt man sich regelmäßig nach oben oder beugt sich nach unten, um die Reichweite zu erhöhen. Wissen und Erinnerung haben ebenfalls mit Reichweite zu tun, in Bezug auf Körper und Sprache. Und beide sind miteinander verschränkt.

In Ian Waelders Ausstellung befindet sich ein Raum mit niedriger Deckenhöhe, eine Art Kiste, die man betreten darf. Ist man zu groß, um aufrecht hineinzugehen, muss man sich bücken, um die Fotografien in ihrem Inneren zu betrachten. Sie zeigen wiederholt eine Pflanze, deren Wachstum sie über die Jahre dokumentieren. Die Zeitlichkeit, die sie einfangen und aufrufen, ist auf intime Weise mit dem Künstler selbst verknüpft. Seine Mutter hatte die Pflanze am Tag seiner Geburt geschenkt bekommen. Seither wächst sie mit ihm mit.

Momente der Wiederholung, die auch bei den Werken für den Außenraum eine Rolle spielen, kommen in Waelders Arbeiten häufig vor. Scheinbar zufälligen Objekten oder Bildern, die er gefunden hat oder die ihm geschenkt wurden, verleihen sie eine Kontinuität, die ihre Bedeutung ausdehnt. Teil dieser Wiederholung ist ein Insistieren, das zu erfassen sucht, was anwesend aber auch versteckt ist. An der Wand im Außenraum, auf der normalerweise dreizehn Posterrahmen hängen, ragt eine Serie von Skulpturen in den Weg der Vorbeigehenden. Sie basieren auf einem Schuhleisten, der kontinuierlich in Waelders Arbeiten auftaucht. Wie der Aschenbecher neben dem Eingang der GAK bieten sich diese Objekte als Behältnis für etwas an, das aufbewahrt oder weggesteckt wird, und schaffen Raum für leicht unbewussten und alltäglichen Kontakt.

Erinnerung ist zentral in der Arbeit von Ian Waelder. Er verwebt auf komplexe Weise Objekte, Bilder und Räume zu Trägern von Erinnerungen und Haltungen. Seine Modifikationen von Räumen, die Ecken, um die man biegt, die Skulpturen, Bilder und Klänge, denen man begegnet, sie alle sind Behältnisse für ein Wissen, das nicht vollständig zugänglich ist. Sie sind aber auch eine Einladung, Verbindungen herzustellen zu einer persönlichen Geschichte, die wiederum verknüpft ist mit einer darüberhinausgehenden Geschichte.
Der Titel Zungen bezieht sich vielleicht auf diesen vor-sprachlichen Moment einer “Es-liegt-mir-auf-der-Zunge-Erfahrung”, in der bewusste Erinnerung scheitert. Ein Wort, das man kennt, ist beinahe dabei herauszukommen, kann aber nicht ausgesprochen oder erreicht werden, es entsteht ein Sprung in der Zeit. Man sagt, dieses Phänomen ist mit Gefühlen verbunden und je stärker diese sind, um so schwieriger ist es, die Erinnerung an das Wort zu finden.

Zum  Künstler
Ian Waelder (* 1993) schloss 2023 sein Studium an der Städelschule in Frankfurt am Main ab, wo er als Meisterschüler bei Prof. Haegue Yang studierte. Derzeit ist er Stipendiat der Laurenz-Haus-Stiftung in Basel (2025/26). Zu seinen jüngsten Einzelausstellungen zählen unter anderem die Kestner Gesellschaft (Hannover, 2025), carlier | gebauer (Berlin, 2025) und Es Baluard Museu d’Art Contemporani (Palma, 2023–24). Gruppenausstellungen fanden unter anderem in Institutionen und Galerien wie der Kunsthalle Wien (Wien), der ifa Galerie (Berlin), nsdoku (München), Petrine (Paris), der Fundació Antoni Tàpies (Barcelona), der Delfina Foundation (London), Francis Irv (New York), dem Nassauischen Kunstverein (Wiesbaden) und La Casa Encendida (Madrid) statt.

Er war Artist-in-Residence am WIELS – Center for Contemporary Art (Brüssel, 2024) und erhielt Stipendien, darunter das basis Hessisches Atelier Programm (2025–29), das DZ BANK Kunststiftung Förderstipendium (2023–24) und den Städelschule Portikus e.V. Graduation Prize (2023).

Kategorie: Ausstellung

Mara Wohnhaas: What do we want that seduces us und The Anecdote

16. Januar 2026 by GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst

Mit What do we want that seduces us und The Anecdote präsentiert die GAK die ersten institutionellen Einzelausstellungen von Mara Wohnhaas (*1997, lebt in Düsseldorf).
Mara Wohnhaas beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit den Mechanismen von Denk-, Sprach-, Wahrnehmungs- und Raumstrukturen, deren Logiken und Widersprüchlichkeiten sie aufgreift, ausdehnt oder ad absurdum führt. Häufig sind ein Ereignis oder ein kurzer, performativer Moment Ausgangspunkt für Wohnhaas‘ Skulpturen, Performances, Zeichnungen, Foto- und Videoarbeiten. Auch Sprache spielt für die Künstlerin eine wichtige Rolle: sie produziert Erwartungen, verspricht Annäherung und ist gleichzeitig ein schlüpfriges System der Distanz und Abstraktion.

In What do we want that seduces us stehen sich zwei Nachbauten einer illusorischen Bühne gegenüber. Mit den Skulpturen nähert sich Wohnhaas dem Originalobjekt bis hin zum Stoff des Bühnenhintergrunds und dem Holzfurnier möglichst detailgetreu an. Sichtbar sind nur die Außenseiten und ihre jeweiligen Oberflächen. Der Zaubertrick selbst ist dauerhaft an- und abwesend als latente Möglichkeit von etwas, das stattgefunden haben könnte oder noch stattfinden wird. Zwischen minimaler Skulptur und Bühnenraum, technischer Logik und Illusion wirft What do we want that seduces us Fragen danach auf, was wir sehen, woran wir glauben und was wir wissen wollen.

The Anecdote präsentiert sich als intimerer Raum, in dem Wohnhaas Fragen von Wert- und Bedeutungsschöpfung aufgreift. Strategien, mit denen versucht wird, Eindeutigkeiten zu schaffen, erweisen sich dabei als instabile Projektion. The Anecdote versammelt Momentaufnahmen und zeichenhafte Abdrücke von Ereignissen, löst die für die Anekdote so typische Pointe aber nicht ein. Stattdessen balanciert die Ausstellung zwischen Logik und Zufall, Wahrhaftigkeit und Unschärfe.

Aus vermeintlichen Zusammenhängen entstehen in Mara Wohnhaas‘ Arbeiten Beziehungen, in denen die Zirkulation und Relativität von Wissen, Vernunft, Wahrheit und Schein verführerisch und humorvoll kollaborieren. Sie spiegeln ein in sie hineingelegtes Begehren und übertragen es in Form und Material. Während die Objekte in What do we want that seduces us klar und geometrisch abgegrenzt sind und das Innenleben verborgen bleibt, drängt sich in The Anecdote der subjektive Blick als Schnittstelle zwischen Innen- und Außenleben buchstäblich ins Bild und verunklart die Ränder. Diese Aufhebung der gedanklichen Trennung zwischen Psychologie und Empirie, dem Unsichtbaren und dem Sichtbaren, Vorstellung und Faktischem bezieht sich dabei ebenso auf künstlerische Praxis wie auf die Beziehung zur Umwelt sowie die Kommunikationsformen und Medien, die sie prägen.

Kategorie: Ausstellung

Majd Abdel Hamid: Wann hast du das letzte Mal am Tag geträumt

9. Dezember 2025 by GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst

Majd Abdel Hamid, daydreamers (fortune tellers), GAK Bremen 2025. Foto: Franziska von den Driesch.

Wann hast du das letzte Mal am Tag geträumt ist Majd Abdel Hamids erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland. Hamid zeigt Stick- und Stoffarbeiten, in denen er Denk- und Erinnerungsprozesse sowie die Beziehung zu einer vorhandenen oder möglichen Welt im Vor und Zurück des Fadens verdichtet – oder auflöst. Zugleich ist es die zweite Ausstellung unserer Reihe for fear of continuity problems, die sich in einem Teilbereich der GAK sowie den Posterrahmen im Außenraum mit Erinnerung und Gedächtnis auseinandersetzt.

In einem kontinuierlichen, tagebuchartigen Prozess steht das Sticken seit einigen Jahren im Zentrum von Majd Abdel Hamids Praxis. Darin greift er Tatreetz, die traditionelle Form palästinensischer Stickerei, auf, ohne den Fokus auf Symbolik und Perfektion zu legen. Waren es zu Beginn noch mediale Bilder, deren Pixel Hamid in seinen Stickarbeiten in den Fadenlauf übertragen und wiederholt hat, so sind die Arbeiten inzwischen zumeist abstrakt. Im langsamen Vor und Zurück des Kreuzstichs entstehen Formationen, Notationen und Kartografien, die Denk- und Erinnerungsprozesse auf taktile Weise begleiten, festhalten und fortschreiben.

In seiner Ausstellung in der GAK sind im Außenraum weiße Stickereien zu sehen, die erst bei genauem Hinsehen und anhand von Schatten und Textur ihre Motive preisgeben. In den Posterrahmen entziehen sich diese gleichermaßen zurückhaltenden wie intensiven Stickereien den Aufmerksamkeitslogiken des schnellen Vorübergehens und der Hyperpräsenz der Bilder: keine Farben, keine Formen, die sich schnell erschließen, sondern die Aufforderung, sich Zeit zu nehmen – so wie es Hamid selbst in seinem Arbeitsprozess tut. Erst dann geben sie den Blick frei auf die Wege, die die Nadel und mit ihr die Gedanken genommen und nachvollzogen haben.

Die drei Werkserien im Innenraum basieren auf kleinen Stoffresten. Vorsichtig herausgelöste Fäden lassen in Gewebe und Mustern fragile Bilder von Verlust, aber auch Offenheit entstehen. Die gewonnenen Fäden wiederum hat Hamid in kleinen Kreisen auf Papiere gestickt und ihnen eine neue, stark verdichtete Präsenz gegeben. Es entstehen Codes, die an Lochkarten und automatisierte Webstühle erinnern lassen, sich der binären Entweder-oder-Logik und automatisierten Lesarten jedoch verwehren. Hamids Karten tragen konzentrierte Informationen, deren Vielzahl von Fäden darauf warten, auf offenere Weise ausgelesen zu werden. In einer Ecke häufen sich tausend aus Stoff gefaltete „fortune teller“ wie bei Félix Gonzalez-Torres die Bonbons. Auch Hamid lädt die Besucher:innen ein, sich eines der kleinen Fingerspiele mitzunehmen. Die „fortune teller“, die im Deutschen Himmel und Hölle heißen, dienen dem Vorhersagen einer Zukunft. Üblicherweise enthalten sie vorgegebene Möglichkeiten, hier aber sind sie unbeschrieben und eine Einladung zum taktilen Bewegen unendlicher, vorstellbarer Möglichkeiten und zum Tagträumen.

Der Titel der Ausstellung Wann hast du das letzte Mal am Tag geträumt nimmt Bezug auf ein Interview mit dem syrischen Oppositionellen Riad al-Turk, der im Gefängnis tagtäglich aus seiner Suppe Linsen heraussammelte und mit diesen auf seinem Betttuch Zeichnungen legte. Jeden Abend musste er sie zerstören, um schlafen gehen zu können, und begann am nächsten Tag aufs Neue. Für ihn war es ein Mittel, sich davon abzuhalten, Tagträumen nachzuhängen, weil sie die Unmöglichkeit des In-Kontakttretens mit der Welt so deutlich offenbart hätten. Hamid wiederum sucht den Kontakt mit der Außenwelt gerade in dieser Tagträumerei, die er als Mittel der Potentialität, der Reflexion und Imagination sieht. In seinen Stick- und Stoffarbeiten sucht er in der alltäglichen Wiederholung die Offen- und Unabgeschlossenheit zwischen Erinnerung, Wissen und Zukunft. Die langsame Handarbeit, die sich Automatisierung und Beschleunigung freiwillig entzieht, ob in der Verdichtung des Stickens oder der Auflösung von Textilien, ist Mittel des Denkens ebenso wie der Erinnerung und des sich In-Beziehung-Setzens zur Welt.

Kategorie: Ausstellung

Galerie K Strich

28. November 2025 by Galerie K'

Achim Bertenburg: Oklahoma

1889 erreichte der Wettlauf angloamerikanischer Siedler auf die im Westen gelegenen indigenen Gebiete einen Höhepunkt. Einer staatlichen Verordnung nach wurden die Gebiete zur Neubesiedlung freigegeben. Die Neuankömmlinge konnten Flächen von 65 Hektar in Anspruch nehmen. Wer zuerst kam, bekam zuerst. Die als Oklahoma Land Run bekannt gewordene Landnahme ging mit der Vertreibung indigener Stämme einher, die zum Teil vorher bereits aus anderen Gegenden in den Westen vertrieben wurden. Achim Bertenburg beschäftigt sich in seinen neuen Bildern mit der Ideologie der Verfügbarkeit der Welt, die solcherart Programmen von Landnahme zugrunde liegt. Dabei reicht die Bewegung von der Besiedelung eines als neu apostrophierten Kontinents, über die Entdeckungsreisen zum Nordpol bis hin zu heutigen Marsexpeditionen. Die Landnahme geschieht mit Pferd, Heißluftballon oder Rakete. Bertenburgs in der Ausstellung gezeigtes lebensgroßes Pferd scheint selbst bereits aufgeteiltes Land zu sein, mit Fehlern in der Widergabe seines Körpers und einer Binnenteilung, die vom Grundstücks- bis zum Schlachtplan reicht. Die Inbesitznahme ist immer ein gewaltvoller Akt, und dennoch sind all ihre Bestrebungen bestimmt von persönlichen Dramen, von persönlichen Hoffnungen, von persönlichem Scheitern. In Bertenburgs neuen Bildern sieht man in Andeutung Figuren, die auf schwer zu bestimmenden Flächen, auf vagem Gebiet, Zäune ziehen und ihre Behausungen errichten. Der Grund ist dabei so gestaltet, dass sich Figuren, so wie Betrachterinnen und Betrachter in ihnen verlieren. Kaum ein fester Punkt, an dem man sich halten könnte.

Kategorie: Ausstellung, Galerien

SCHIMMER Norman Sandler | I-Chieh Tsai

23. November 2025 by Städtische Galerie Bremen

Die Preisträger:innen des Bremer Förderpreises für Bildende Kunst Norman Sandler (2020)
und I-Chieh Tsai (2021) zeigen gemeinsam ihre Einzelausstellungen, die ein Teil des Preises sind. Die künstlerische Entwicklung der vergangenen Jahre ist in der Ausstellung abzulesen, vielfältige neue Ansätze in ihrer künstlerischen Arbeit werden deutlich. Die Künstler:innen zeigen medial sehr unterschiedliche Herangehensweisen, die jedoch inhaltlich und hinsichtlich der präzisen Analyse von Mechanismen und Strukturen einer globalisierten,  digitalisierten und kapitalistisch geprägten Gesellschaft zahlreiche Gemeinsamkeiten aufweisen.

Kategorie: Ausstellung Stichworte: Ausstellung, Gegenwartskunst, Kunst, Museum, Städtische Galerie Bremen, Zeitgenössische Kunst

Focke meets Wagenfeld

18. November 2025 by Wilhelm Wagenfeld Haus

Die Sammlungen von Focke-Museum und Wilhelm Wagenfeld Haus könnten unterschiedlicher nicht sein – und ergänzen sich gerade deshalb hervorragend. Das gemeinsame Ausstellungs­projekt des Focke Museums, Bremer Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte und dem Wilhelm Wagenfeld Haus kombiniert Alltagsobjekte aus verschiedenen Jahrhunderten und erlaubt so einen ganz neuen Blick auf unsere gestaltete Umwelt.
„Focke meets Wagen­feld“ verbindet universale Fragestellungen mit außergewöhnlichen Bremen-Bezügen.

Kategorie: Ausstellung

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