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Belia Zanna Geetha Brückner: A good theory in theory

25. Oktober 2024 by GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst

Was ist das erste Gericht, dass Sie nach ihrer Entlassung mit Ihren Lieben kochen und essen möchten? Belia Zanna Geetha Brückner steht in einer fortlaufenden Recherche mit Inhaftierten verschiedener Strafvollzugsanstalten in mehreren Ländern im Briefwechsel und fragt sie nach ihren Rezepten der Freiheit. Die Antworten, die sie darauf bekommt, bringt sie nun in A good theory in theory (Eine gute Theorie in der Theorie) in Außenbereich der GAK zusammen. Der Titel der Ausstellung ist Antonio Negri entliehen, der davon spricht, dass eine gute Theorie in der Theorie möglicherweise eine schlechte in der praktischen Anwendung ist.

Der italienische Philosoph, Staatstheoretiker, Teil der radikalen linken Bewegung Autonomia Operaia sowie Autor, erlebte die Gefängnishaft am eigenen Leib, was sowohl sein persönliches Leben als auch sein theoretisches Werk beeinflusste. Auch Rezepte können als Theorien gelesen werden, die eine Umsetzung benötigen. Zugleich lassen sich Negris Ausführungen auf das System Gefängnis übertragen, das als Theorie zur sogenannten Resozialisierung plausibel klingt, in der Praxis in vielen Staaten jedoch nicht das einhalten kann, was es verspricht.

So begibt sich Belia Zanna Geetha Brückner mit A good theory in theory in das Spannungsfeld zwischen den politischen Funktionen von Esskulturen und dem Strafvollzugssystem: Gemeinsame Mahlzeiten stiften Geselligkeit, sie fördern Zugehörigkeit und Austausch untereinander und nicht selten werden am Essenstisch Konflikte gelöst, wichtige Entscheidungen getroffen, aber auch Erinnerungen geteilt. In deutschen Justizvollzugsanstalten werden Mahlzeiten kaum gemeinsam eingenommen.

Für die Ausstellung in den Posterrahmen im Außenbereich der GAK collagiert Brückner die erhaltenen Rezepte mit gebrauchten Geschirrtüchern und schafft Sichtbarkeit im Öffentlichen für Stimmen, die sonst separiert vom gesellschaftlichen Leben bleiben.

Neben den Rezepten füllt Brückner zwei der Posterrahmen mit gestickten Kontexten: Darunter eine Darstellung der Protestaktion zweier Stopp Oil-Aktivist*innen während der Snooker Weltmeisterschaft 2023. Diese Stickerei gibt den Kontext zur Inhaftierung einer ihrer Briefpartner*innen.

In ihrer künstlerischen Praxis erforscht Belia Zanna Geetha Brückner Machtstrukturen in neoliberalen Gegenwartsgesellschaften, sucht nach Ambivalenzen in Demokratieerzählungen und gesellschaftlicher Teilhabe und nutzt dafür Transparenz- und Informationsfreiheitsgesetze, Dokumente aus Archiven sowie Interviews und andere Formen des Austausches mit Beteiligten. Rezepte scheinen in dieser Reihung zunächst eher banal, haben aber durchaus einen demokratischen und emanzipatorischen Charakter. Sie vermitteln Wissen und Kultur und sind dabei mitnichten verpflichtend, denn Zutaten können ausgelassen, hinzugefügt oder ersetzt, Mengenangaben halbiert und erweitert werden. Rezepte fordern Beteiligung ein und entfalten erst beim Interpretieren und in der Umsetzung durch eine Köchin ihren vollständigen Sinn. Das Zubereiten und der Zugang zu Lebensmitteln ist während einer Haft stark eingeschränkt und finanziell durch ein Monopol der Firma Massak GmbH enorm belastet. Zudem werden die staatlich servierten Mahlzeiten meist einzeln in der Zelle eingenommen. Dies verstärkt den ohnehin desintegrierenden Charakter der Haft. A good theory in theory ist ein Dialog mit Inhaftierten und über deren Wunsch nach körperlicher Selbstbestimmung und zugleich eine Einladung an Vorbeigehende, sich beim Nachkochen der Rezepte über Theorien und deren Praxis auszutauschen.

Künstlerin

Belia Zanna Geetha Brückner (*Mönchengladbach) studierte zeitbezogene Medien an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg und am Goldsmiths, University of London. Ihre recherchebasierten Arbeiten wurden unter anderem mit dem Karl H. Ditze-Preis und mit dem Max Ernst-Stipendium ausgezeichnet und in Einzel- sowie Gruppenausstellungen im Kunstverein Dortmund (2024), im Künstlerhaus Bethanien Berlin (2024), im Kunstverein Gastgarten Hamburg (2024), im City Surfer Prag (2023), der Goldsmiths University London (2023) und dem EIGEN+ART Lab Berlin (2022) gezeigt. Von 2023 bis 2024 war sie Trägerin des Stipendiums der Hamburger Kulturstiftung zur Förderung des künstlerischen Nachwuchses.

Ausstellungsreihe „Re-Framing“

A good theory in theory ist Teil der Ausstellungsreihe „Re-Framing“ in den Posterrahmen im Außenbereich der GAK. In mehreren aufeinander folgenden Einzelpräsentationen nehmen die eingeladenen Künstler*innen Sprache zum Ausgangspunkt, um in das spannungsreiche Verhältnis zwischen Wort und Bild zu intervenieren. Sie unterbrechen gewohnte Sehweisen, reflektieren (Un-)Sichtbarkeiten oder schaffen Intimität im Öffentlichen.

 

Kategorie: Ausstellung

ZUCKER / künstlerisch-kuratorische Allianz zwischen NEBYULA (München) und der Galerie Mitte (Bremen)

22. Oktober 2024 by Galerie Mitte im Kubo

Poster zur Ausstellung Zucker

15.11.2024 – 15.02.2025

Vernissage: 15.11.2024, 19 Uhr
Finissage: 15.02.2025, 15 Uhr

Künstler*innen: The Berg, Marco Fusinato, Kira Keune, Luise Marchand, Rosanna Marie Pondorf, Anna Raczynska, Renen / g.i.i.c.s:, Alexander Scharf, Lazar Stojić, Joseph Maurus Wandinger

Kurator*innen: Rebekka Kronsteiner, Kalas Liebfried

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MONEY talks, so shut the fuck up and listen. Diese Zeile aus Domo Genesis’ Track Power Ballad trifft den Kern unserer angestrebten Auseinandersetzung: das unausgesprochene Verhältnis zwischen Geld und Macht, die feine Grenze zwischen Schweigen und Bekenntnis, die unsere Realität prägt. In einem System, das sich auf die althergebrachte Maxime »Über Geld spricht man nicht« stützt, kann nur etwas verändert werden, wenn dieses Schweigen durchbrochen und die unausweichliche Wechselwirkung zwischen Kapital und Kultur – ideell und materiell – seziert wird.

Vor diesem Hintergrund entsteht die künstlerisch- kuratorische Allianz zwischen NEBYULA, München, und der Galerie Mitte, Bremen: eine Zusammenarbeit, die sowohl geographische als auch wirtschaftliche Gegensätze aufzeigt. Während Bayern das derzeit wirtschaftlich stärkste Bundes land Deutschlands ist, steht Bremen am anderen Ende des Spektrums. Doch in dieser Divergenz zeigen sich, die Kunst betreffend, überraschend ähnliche systematische Herausforderungen: prekäre Arbeitsverhältnisse, unzureichende Finanzierung und ein oft unerreichbarer institutioneller Anschluss für Kunst- und Kulturschaffende. Die Kurator:innen dieses Projekts Rebekka Kronsteiner und Kalas Liebfried sind selbst Künstler:innen, die sich mit der Schaffung von Kunsträumen und Off-Spaces sowie der Aushandlung und Umstrukturierung sozialer, ökonomischer und kultureller Bedingungen befassen.

ZUCKER ist eine Plattform, die explizit auf Themen der Wertschöpfung, Konsumismus und Klassismus aus gerichtet ist – Komplexe, die im Betriebssystem Kunst allgegenwärtig, aber oft tabuisiert sind. Die zehn involvierten Künstler:innen nähern sich diesen Fragen durch ihre Praxis und ihren Hintergrund als Kulturarbeiter:innen an. Die Auseinandersetzungen umfassen Themen wie Infrastruktur und Institutionskritik (Renen/g.i.i.c.s.), Glücks spiel und Selbstermächtigung (Kira Keune), die Im/Materialität von Wertschöpfungen (Rosanna Marie Pondorf), Systeme der Teilhabe, Schuld und Ressourcenverwendung (Joseph Maurus Wandinger), das ambivalente Verhältnis zwischen Konsument:innen und Kunstinstitutionen (The Berg). Zucker als Lockmittel in VR-Welten (Alexander Scharf), Anarchismus und Publikation (Marco Fusinato), die verstörenden, entfremdeten Qualitäten des Geldes (Luise Marchand), Statussymbole als Artefakte der Post moderne (Lazar Stojić) und das Verhältnis zwischen Euro und Ernte (Anna Raczynska).

ZUCKER ist eine Metapher. Einerseits ein Konsummittel, das kurzfristige Energie liefert, andererseits ein Verweis auf den Rohstoff als Währung und auf die problematische Vergangenheit Europas, insbesondere der Hansestädte im Kolonialhandel – ein Symbol für die Verflechtung von ökonomischer Macht und kulturellem Kapital. In diesem Sinne werden die Inputs und Outputs der Szenen beider Städte, inklusive thematisch dazu kuratierter Werke, zu einer Allianz für die drängenden Fragen unserer Zeit: ein Raum, der nicht nur zur Reflexion auffordert, sondern zur Diskussion einlädt und zum Handeln aufruft.

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Öffnungszeiten: Do-So /15-18 Uhr und nach Vereinbarung

Merh Infos unter:

www.galeriemitte.eu

Kategorie: Ausstellung Stichworte: Ausstellung, Finissage, Kunstausstellung, Vernissage

Wort. Bild. Buch – Was Illustration kann.

18. September 2024 by Wilhelm Wagenfeld Haus

Über bunte Bilder in Kinderbüchern freuen wir uns – aber Illustrationen in einem Buch mit ernsthafter Literatur?
Verfälscht die Bildebene nicht den „reinen“ Gehalt des Textes? Heutige Leser:innen sind experimentierfreudiger und erleben Bilder in Büchern als Bereicherung. Die Ausstellung zeigt, wie
vielfältig Buch – Illustration im 21. Jahrhundert ist. Der Schwerpunkt liegt dabei auf literarischen Buchprojekten: Welche Rollen übernimmt die Illustration? Wie ist das Verhältnis von Text und Bild? Mit welchen Medien arbeiten Künstler:innen heute?
Manchmal lassen Illustrationen die im Text beschriebene Zeit oder Kultur lebendig werden oder sie versetzen die Leser:innen in eine bestimmte Stimmung – oft noch bevor die erste Zeile gelesen wird. Bei manchen Büchern sorgen Schuber, ausklappbare Plakate oder andere Beigaben für ein besonderes Leseerlebnis.

Einige Graphiker:innen setzen mit ihrer Illustration ganz eigene Schwerpunkte. Andere integrieren gar den Text in ihre Bilder oder beeinflussen den Leserhythmus. Ein kleiner Exkurs wirft zum Schluss einen Blick in die Geschichte. Am Beispiel von Jules Vernes „20.000 Meilen unter dem Meer“ und Mary Shelleys „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ wird gezeigt, wie sehr Illustrationen die Wahrnehmung eines Stoffes beeinflussen können.
Es gibt unzählige Arten, wie Text und Bild interagieren, doch eine Eigenschaft zeichnet alle Beispiele aus: Buch – Illustration ist mehr als die Wiederholung des Textinhaltes mit visuellen Mitteln. Durch das Zusammenspiel von Text- und Bildebene entstehen ganz neue Werke.

Mit Illustrationen u.a. von:

Roberta Bergmann, Harry Brockway, Zdeněk Burian, John Coulthard, Alphonse-Marie-Adolphe de Neuville, Gustave Doré,  Janne Holzmüller, Jörg Hülsmann, Alexandra Kardinar und Volker Schlecht, Charles Keeping, Janna Klävers, Julian Litschko, Sophia Martineck, Walter Moers, Barry Moser, Franziska Neubert,  Ann-Kathrin Peuthen, Édouard Riou, Robert Sabuda, Emmy Grimme Sagali, Rainer Schmoll, Christian Sobeck, Simon Stålenhag, Anna Stähler, Katrin Stangl, Martin Stark, Malvina G. Vogel,  Eva Wünsch und Luisa Stömer, Renate Wacker, Henning Wagenbreth, Franziska Walther, Shiwen Sven Wang, Lynd Ward, Bernie Wrightson, Mehrdad Zaeri

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Kategorie: Ausstellung

Reproductive Matters

5. August 2024 by KH Künstler:innenhaus Bremen

15.06.-18.08.2024
Lucy Beech, Zuzanna Czebatul, Julia Lübbecke, Ana Navas, Daniel Poller

Die Gruppenausstellung Reproductive Matters [dt. Reproduktionsfragen] nimmt den Begriff der Reproduktion zum Ausgangspunkt, um anhand von fünf künstlerischen Positionen über seine vielfältigen Bedeutungen und deren Überschneidungen zu reflektieren.

Ana Navas thematisiert in ihren Skulpturen die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte von Design- und Kunstobjekten anhand von Ideen der Zugänglichkeit, Kommodifizierung, Imitation und Aneignung. In den Wandteppichen von Zuzanna Czebatul reproduziert die Künstlerin Auszüge historischer Wandteppiche nach Bildern aus Büchern oder dem Internet. Die Ausschnitte verweisen auf die verborgenen machtpolitischen Bedeutungen kultureller Symbole. Daniel Poller reflektiert in seiner fotografischen Praxis Momente der Geschichtsschreibung im öffentlichen Raum mit besonderem Fokus auf die Rekonstruktion historischer Gebäude. Julia Lübbecke setzt sich in ihrer Installation mit den materiellen Qualitäten politischer Archive auseinander. Reproduzieren die Archive die Verhältnisse, die sie repräsentieren? Der Film von Lucy Beech erforscht die Erfahrungen von Anwendern biomedizinischer Medikamente in der kommerziellen Leihmutterschaftsindustrie und behandelt Themen wie Intimität, Medikamente zwischen den Geschlechtern und die Umverteilung reproduktiver Arbeit.
Die ausgewählten Werke beleuchten verschiedene Aspekte der Reproduktion – sei es das Verhältnis von Original und Kopie mit den impliziten Wertzuschreibungen oder die Mittel der menschlichen und sozialen Reproduktion.

Kuratiert von Nadja Quante
Die Ausstellung wurde in Dialog mit Anna Voswinckel entwickelt.

Öffnungszeiten:
Do.-So.: 14-18:00 Uhr

 

Kategorie: Ausstellung

Gernot Wieland: You do not leave traces of your presence, just of your acts

5. August 2024 by KH Künstler:innenhaus Bremen

mit Beiträgen von Carla Åhlander, Jeroen Jacobs, Lisa Robertson & Maxwell Stephens

Eröffnung: 06.09.2024, 19:00 Uhr
Öffnungszeiten: Do.-So.: 14.-18:00 Uhr

Gernot Wieland (*1968 in Horn, Österreich) ist ein Filmemacher und Künstler. Seine Kurzfilme sind Erzählungen, die er mithilfe von eigensinnigen, manchmal absurden Kombinationen von Bildern und Sprache konstruiert. Auf der Bildebene collagiert Wieland verschiedene Techniken – von Zeichnung, Super-8-Sequenzen, Diagrammen und Knetanimation bis hin zu Kartoffeldruck und Aquarell. Die Techniken erscheinen so nahbar und persönlich wie der Inhalt. In den Geschichten, die Wieland mit seiner eigenen Stimme aus der Ich-Perspektive erzählt, verschmelzen autobiografische und fiktive Elemente zu einem poetischen Raum. Die Plots entfalten sich wie Träume: Sie vermischen Vergangenheit und Gegenwart, bringen Protagonist:innen aus Wielands Kindheit wie Lehrer:innen, Mitschüler:innen oder Familienmitglieder mit Figuren der Kulturgeschichte wie beispielsweise Sigmund Freud oder Jackson Pollock zusammen. Das Persönliche verbindet sich mit dem Politischen und entspinnt sich langsam zur Analyse gesellschaftlicher Normen und Repressionen – unter Zuhilfenahme von immer wieder aufflackerndem Humor. Wie in einem Traum sind die Konstellationen und Zusammenhänge surreal, irrational und verwirrend, doch am Ende ergibt alles wieder Sinn.
Die Ausstellung präsentiert einen neuen Kurzfilm von Wieland sowie eine Installation mit Kunstwerken anderer Künstler:innen, die eng mit dem Film verbunden ist.

Kuratiert von Nadja Quante

Kategorie: Ausstellung

Banu Çiçek Tülü: Aural Flesh

1. August 2024 by GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst

Banu Çiçek Tülü setzt Klang als Medium und Methode ein, um auf Dinge aufmerksam zu machen, die sich unseren Ohren häufig entziehen. In Aural Flesh greift sie das Verhältnis von Erinnerung und Klang sowie die Rolle des Hörens im Zusammenhang von Orientierung auf und fragt nach deren körperlichen Implikationen. Was nehmen wir wahr, wenn wir mit dem ganzen Körper zuhören? Inwieweit wird ein Körper durch eine medizinische Operation zu einem nicht-menschlichen Objekt? Auf welche Weise beziehen sich Innen und Außen in unterschiedlichen Rhythmen und durch Klang aufeinander?

Für Aural Flesh entstehen neue Arbeiten, die sich auf die Figur des weiblichen, migrantischen Körpers konzentrieren und den Ausstellungsraum in ein hörendes Körperinneres verwandeln: Handstick- und Handstrickarbeiten hängen von der Decke, Adern aus Stoff und eine skulpturale Soundinstallation durchziehen den Raum – ein organisch-technischer Hybrid entsteht. Die Tonspuren von Banu Çiçeks Klangskulpturen erzählen fiktionale und persönliche Geschichten über Veränderungen an und in Körpern, von Zuschreibungen, Verwundungen, Erinnerungen und Narben. Die Erzählungen sind eingebettet in eigene Tempi und Harmonien, Herztöne und Drone-Klänge, die eine fleischige und fluide Klanglandschaft bilden. Während diese Skulpturen aus poröser Luffa und Rohwolle zur Bewegung durch den Raum einladen, erzeugen eine 6-Kanal-Klanginstallation auf Ohrhöhe sowie Subwoofer auf dem Boden eine oszillierende Klanglandschaft im gesamten Raum. Sie basiert auf Aufnahmen der Tanbur, einer mesopotamischen Langhalslaute, deren besondere Rolle in der traditionellen Medizin auf ihrer Nähe zur menschlichen Stimme beruht. Die Installation verschiebt das (Zu-)Hören ins Körperinnere und betont dessen Körperlichkeit, bzw. das Hören durch den Körper.

Körper sind eingebettet in gesellschaftspolitische Bedingungen, Sichtweisen und Normen, die den Blick auf andere Zusammenhänge verdecken. Sie sind komplexe Gebilde, die auf vielfältige Weise durch Technologien ebenso wie durch Politiken und Emotionen verändert werden. Körper empfinden Schmerz. Wie diesem Schmerz eine Stimme gegeben werden kann, worauf wir hören, was eine Stimme ist und wo die Stimme ist, wenn sie nicht spricht – dies sind Fragen, denen Banu Çiçek nachgeht. 

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Banu Çiçek Tülü (*1984, Adana/Türkei, lebt in Berlin) ist Künstlerin, Musikproduzentin, DJ und Forscherin mit einem Hintergrund in urbanem Design, Ökologie, Feminismus und Queer-Theorie, die künstlerische, kulturelle und politische Vorstellungskraft als Werkzeuge für sozialen Wandel einsetzt. Zwischen Techno und experimenteller elektronischer Musik schafft Banu Çicek Tülü in ihren DJ-Sets verblüffende Erfahrungen, während sie einen klaren Übergang zwischen Musik und Klangkunst gestaltet. Die Dozentin im Studiengang Sound Studies an der UdK Berlin und Gastdozentin im Fachbereich Musik am College of The Arts in Windhoek, Namibia, glaubt an die politischen Möglichkeiten von Sound und Musik und nutzt beides als Mittel zur Stärkung verschiedener Gemeinschaften und Minderheitsgruppen.

Jüngste Ausstellungen: Temple of Intersectionality, Akademie Schloss Solitude (2023), Stuttgart; Pink Noise, Galerie im Turm, Berlin (2023); Aural Rupture, Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Berlin (2021); The female sonic cartography and the safe space, galerie futura, Berlin (2020). Stipendien und Residencies u.a.: Culture Moves Europe des Goethe Instituts (2023); Namibia Initiative der

Akademie Schloss Solitude (2022); Ankara Queer Art Residency (2021) von Kaos GL (Ankara/Türkei) unterstützt von SAHA Association (Istanbul/Türkei); Sound of Our Cities Roeselare/Belgien, organisiert von Idensitat/Spanien mit dem Creative Europe Program (2020); IdeasCity New Orleans/USA, eine Initiative von The New Museum, New York/USA (2019).

Kategorie: Ausstellung Stichworte: Ausstellung, Bremen, Flinta*, GAK Bremen, Körper, migrantische Körper

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